Die Submunition ist ein runder metallischer Ball, schmutzig und rostig.

Streumunition: Bomben wie Landminen

Als Streumunition werden Behälter bezeichnet, die viele kleine Submunitionen über eine breite Fläche verteilen. Sie können vom Boden abgeschossen oder aus der Luft abgeworfen werden. Beim Aufprall explodieren oft nicht alle Geschosse und bleiben als Blindgänger liegen und wirken dann wie Landminen.

Sie können nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheiden, weshalb die meisten Opfer aus der Zivilbevölkerung stammen. Offiziell wurden über 23.000 Opfer weltweit gezählt, die Dunkelziffer wird auf bis zu 86.000 geschätzt. Sie wurde bisher in 39 Ländern und Gebieten eingesetzt.

Handicap International setzt sich seit vielen Jahren gegen diese verheerenden Waffen ein.

Zuletzt aktualisiert: 02.11.23

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Streubomben werden auch Streumunition oder Cluster Bomben genannt. Wir verwenden diese Ausdrücke synonym.

Streumunition besteht aus einem Behälter und der darin enthaltenen Submunition. Sie wird aus der Luft abgeworfen oder vom Boden abgefeuert und verteilt ihre Bomblets breitflächig über Landstriche von der Größe einiger Fußballfelder bis zu mehreren Hundert Hektar.

Wird sie mittels Artillerierakete oder Haubitze eingesetzt, können erhebliche Mengen an Munition über ein großes Gebiet verteilt werden. Eine Salve des MLRS Raketenwerfers verstreut z.B. bis zu 8.000 Stück Submunition über ein Areal von ca. 250.000 m2 (entspricht 50 Fußballfeldern).

Offiziell bestätigt sind über 23.500 zivile Opfer. Schätzungen zufolge wurden aber zwischen 56.000 und 86.000 Menschen durch Streumunition getötet oder verletzt.

Eine Waffe gegen die Zivilbevölkerung

Durch die ungezielte Wirkung (sie können nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheiden) werden bei fast jedem Einsatz auch Zivilpersonen getroffen. Außerdem bleiben Unmengen an Blindgängern zurück: bis zu 40 Prozent der Submunition explodiert beim Aufprall nicht, in Einzelfällen sogar bis zu 100 Prozent. 

Ihre Zünder sind im Gegensatz zu den Zündern großer Bomben hochsensibel und können bei der kleinsten Berührung explodieren. So gefährden sie auch noch lange nach einem Angriff die Menschen, die in den betroffenen Gebieten leben oder arbeiten. Sie wirken wie Landminen. Über 90 Prozent der Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung!

Viele BLU-24 liegen auf einem Haufen.
So funktioniert Streumunition

Streumunition wird vom Boden oder aus der Luft abgeworfen. Ein Behälter öffnet sich und wirf viele kleine Bomblets ab. Diesen sollen Schaden auf einer großen Fläche anrichten.

Mohammed vor einer Wand mit Einschusslöchern.
Folgen von Streumunition

Streubomben töten und verletzen ihre Opfer meist nach Kriegsende. Oft tragen diese Behinderungen und Traumata davon. Außerdem verseuchen sie Gegenden ähnlich wie Landminen.

Aktuelle Zahlen

Der jährlich erscheinende Streubomben-Monitor (zuletzt Sept. 23) berichtet, dass im Jahr 2022 1.172 Menschen durch Streumunition getötet oder verletzt wurden.

Das ist die höchste jährliche Zahl von Opfern, die der Streubomben-Monitor seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahr 2010 zu verzeichnen hat. Diese hohe Anzahl ist vor allem auf den umfangreichen Einsatz von Streumunition durch Russland in der Ukraine zurückzuführen. Auch die ukrainischen Streitkräfte haben Streumunition eingesetzt. Im Jahr 2022 wurden in der Ukraine 916 Tote und Verletzte durch Streumunition registriert, darunter 890 Opfer, die direkt auf Angriffe mit Streumunition zurückzuführen sind.

Im Berichtsjahr 2022 stammten 95% aller Opfer von Unfällen mit nicht-explodierten Submunitionen aus der Zivilbevölkerung.

Lesen Sie weiter

  • Alle Zahlen: Einmal im Jahr erscheint der Streubomben-Monitor. Er listet detailliert auf, wer wann und wo Streubomben eingesetzt hat, wie viele Opfer diese Waffen gefordert haben und vieles mehr.
  • Alle Infos: In diesem Faktenblatt listet Handicap International die wichtigsten Infos über Streumunition auf, berichtet über die Kampagnen der Zivilgesellschaft und vieles mehr.

So ergeht es den Opfern

Als Opfer werden diejenigen Personen definiert, die direkt von dem Unfall betroffen sind sowie ihre Familien und die betroffenen Gemeinden. Aus Respekt spricht man von den Menschen, die einen Unfall überlebt haben, nicht mehr von Opfern, sondern von Survivors, also von Überlebenden.

Behinderung und Traumata

Wenn eine Submunition explodiert, verletzt oder tötet sie die Person, die die Explosion ausgelöst hat. Viele der Überlebenden tragen lebenslange Behinderungen davon. Die Verletzungen reichen von abgerissenen Gliedmaßen, schweren Schäden im Gesicht – oftmals verlieren die Betroffenen Sehkraft oder erblinden komplett – bis hin zu psychischen Belastungen, die nicht selten ebenfalls ein Leben lang halten.

Blindgänger verlängern den Krieg

Blindgänger können auch Jahre später noch explodieren. Doch selbst wenn sie nicht explodieren: allein ihre Existenz ist ein großes Problem für die Gemeinschaften, die in den betroffenen Gebieten leben. Sie können ganze Areale nicht mehr nutzen und Felder nicht mehr bestellen. Sie müssen mit der ständigen Angst um ihre Angehörigen leben, wenn Bauern trotzdem in Felder gehen, wenn Kinder auf dem Schulweg an verseuchten Gebieten vorbeigehen, wenn Submunition in Olivenbäumen hängen geblieben ist.

Ist Streumunition verboten?

Am 1. August 2010 trat die Streubombenkonvention in Kraft. Sie verbietet den Einsatz, die Produktion, die Lagerung und den Transfer der Waffen.

Mittlerweile sind der sogenannten Oslo-Konvention über 100 Staaten beigetreten, sie haben Streumunition also verboten. Diese Staaten haben sich nicht nur dazu verpflichtet, keine Streumunition mehr einzusetzen, sondern auch Lagerbestände zu zerstören, Druck auf andere Staaten auszuüben, die Räumung der Blindgänger zu unterstützen und den Überlebenden von Unfällen zu helfen.

Deutschland ist dem Verbot 2009 beigetreten. Wichtige Staaten wie die USA, Russland, China etc. fehlen.

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In diesen Ländern wurden die Waffen eingesetzt

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben mindestens 23 Staaten Streumunition in 41 Ländern und fünf weiteren Gebiete eingesetzt. In fast allen Regionen der Welt wurde sie in den letzten 70 Jahren bereits mindestens einmal eingesetzt. In weniger als der Hälfte der Länder wurden die Überreste vollständig geräumt.

Staaten und Gebiete, die im Berichtszeitraum 2022/2023 immer noch von Streumunitionsresten betroffen waren:

26 Staaten und 3 Gebiete: Afghanistan, Angola, Armenien, Aserbaidschan, Bergkarabach*, Bosnien und Herzegowina, Chile, Demokratische Republik Kongo, Deutschland, Georgien, Irak, Iran, Jemen, Kambodscha, Kosovo*, Laos, Libanon, Libyen, Mauretanien, Serbien, Somalia, Sudan, Südsudan, Syrien, Tadschikistan, Tschad, Ukraine, Vietnam, Westsahara*

Anmerkungen:

  • In zwei weiteren Staaten – Kolumbien und Großbritannien – ist die Verseuchung durch Streumunition ungewiss.
  • Gebiete sind mit einem Stern markiert.
  • Vertragsstaaten der Oslo-Konvention sind kursiv

Besonders viel Submunition wurde in diesen Ländern abgeworfen:

  • im Vietnamkrieg 1965-1975 (383 Mio. Submunitionen)
  • im Irak 1991-2006 (50 Mio. Submunitionen)
  • im Kosovo 1999 (290.000 Submunitionen)
  • in Afghanistan 2001-2002 (250.000 Submunitionen)
  • im Südlibanon 2006 (4 Mio. Submunitionen)
  • seit 2012 in Syrien
  • Seit 2014 auch in der Ukraine
  • seit 2015 auch im Jemen

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Deutschland

Derzeit liegen in Deutschland Streubomben-Blindgänger in einem gesicherten Gebiet in Brandenburg. Vorläufer der Waffen wurden bereits im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Heute ist Deutschland einer der wichtigsten Geldgeber für Räumungsprogramme.

USA

Kein Land hat mehr Streubomben abgeworfen als die USA. Seit dem Irakkrieg hat das Land die Waffe nicht mehr eingesetzt. Besonders umstritten sind die Lieferung von gelagerter Streumunition an die Ukraine. Jahrezehntelanges Leid ist garantiert.

Libanon

Die israelische Armee warf in nur wenigen Tagen Millionen Submunitionen über dem Libanon ab. Unzählige sind auch heute noch als Blindgänger eine tödliche Gefahr. Sie hängen in Olivenbäumen oder liegen auf Äckern.

Ukraine

Russland setzt die geächteten Waffen massiv ein. Aber auch die Ukraine nutzt die Waffen auf eigenem Territorium.

Laos

Kein Land wurde mehr bombardiert als Laos. Über 260 Millionen Submunitionen warfen die USA über dem ostasiatischen Land ab.

Großbritannien

Die deutsche Wehrmacht setzte während des Zweiten Weltkrieges erstmals Vorgänger der heutigen Streumunition in Großbritannien ein.

So hilft Handicap International

Handicap International (HI) ist weltweit die einzige Organisation, die eine umfassende Expertise in vier Bereichen der humanitären Minenaktionen besitzt. So können wir den Betroffenen umfassend helfen. HI hat die Kampagne zum Verbot von Landminen mitgegründet. Diese hat für Ihren Einsatz den Friedensnobelpreis bekommen. Außerdem hat HI die Cluster Munition Coalition (die Kampagne gegen Streubomben) mitgegründet. In zahlreichen Ländern weltweit engagieren wir uns für die Überlebenden dieser menschenverachtenden Waffen und setzen uns für ihre Räumung und weltweite Ächtung ein.

Schmutzige Bankgeschäfte mit Streubomben

Deutsche Banken nutzen Schlupflöcher im Verbotsvertrag. Dieser ist grundsätzlich sehr stark und verbietet die Waffen umfassend und klar. Doch er weist zwei entscheidende Lücken auf:

  1. Mitglieder des Vertrags dürfen militärische Operationen mit Staaten durchführen, die nachweislich Streumunition einsetzen
  2. Investitionen in Hersteller sind nicht ausdrücklich verboten.

Laut Abschnitt 1 (c) der Konvention dürfen Vertragsstaaten jedoch „niemanden bei einer den Vertragsstaaten verbotenen Aktivität unterstützen, dazu ermutigen oder veranlassen“. Handicap International versteht die Investitionen in Unternehmen, die Streumunition herstellen oder damit handeln aber als genau das: Unterstützung, Ermutigung oder Veranlassung einer Aktivität, die Vertragsstaaten verboten ist.

Damit stehen wir nicht alleine da. Einige Staaten stellten bereits klar, dass sie Investitionen automatisch mit Inkrafttreten der Konvention als verboten betrachten, darunter unter anderem Frankreich, Großbritannien und Norwegen. Wiederum andere europäische Staaten, wie Belgien, Luxemburg und die Schweiz, haben explizite Gesetze erlassen, die diese Investitionen verbieten.

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Hersteller von Streumunition

34 Staaten haben seit den 50er Jahren Streumunition hergestellt, viele davon behalten sich dies noch vor oder produzieren sogar selbst.

Einige ehemalige Produzenten haben sich aus dem explosiven Geschäft zurückgezogen. Textron produziert keine Streubomben mehr und auch Singapore Technologies Engineering hat sich aus dem Geschäft mit Streumunition zurückgezogen.

In Deutschland produzierten die Firmen Rheinmetall, EADS und Diehl bzw. deren Tochterfirmen. Und auch heute noch werden Waffen hergestellt, die ähnlich wirken, aber nicht explizit durch die Konvention verboten sind, weil sie bestimmten Kriterien nicht entsprechen oder diverse Merkmale aufweisen, etwa Selbstzerstörungsmechanismen oder zielgerichteten Sensoren. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass keine Waffe hundertprozentig sicher ist und auch diese Waffen bei ihrem Einsatz wieder Blindgänger hinterlassen werden und die Zivilbevölkerung unter ihnen leiden wird.

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Portraits aus unseren Ausstellungen

In Zusammenarbeit mit dem Journalisten und Fotografen Till Mayer haben wir zwei Ausstellung konzipiert, die deutschlandweit verliehen werden. "Barriere:Zonen" und "erschüttert" erzählen bewegende Geschichten von Menschen aus Krisengebieten, von denen viele eine Behinderung haben. Lesen Sie hier Ihre Geschichten.

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