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Immer wieder kommt es zu verhängnisvollen Unfällen mit Streumunition im Irak, Blindgänger bleiben nach einem bewaffneten Konflikt liegen und gefährden das Leben vieler Zivilist*innen. 2003 starb auch ein US-Entminer. Seine Mutter kämpfte Jahre für ein Verbot der Waffen, die ihren Sohn getötet hatten. Sie ist schockiert, dass die USA heute Streumunition an die Ukraine liefern, wie die New York Times berichtet.

Man sieht ein Schild mit Warnung vor Minen im Minenräumungs-Trainingslager von HI in dem Dorf El Bashir im Irak.
Minenwarnung im Minenräumungs-Trainingslager von HI in dem Dorf El Bashir im Irak, in dem die Minenräumer*innen unter realen Bedingungen üben. © Martin Bertrand

Trotz Expertise sind auch Entschärfer*innen nicht sicher

Im Sommer 2003, kurz nach der Einnahme von Bagdad durch die US-Streitkräfte, ereignete sich ein tragischer Vorfall im Zentrum des Iraks mit Streumunition. Eine Gruppe von US-Marinesräumte Blindgänger. Trotz erhöhter Vorsicht explodierte einer der Blindgänger. Es handelte sich um eine US-amerikanische Streumunition, die von einem amerikanischen Angriff übriggeblieben war. Streumunition hat eine sehr hohe Blindgängerrate: viele der Mini-Bomben explodieren beim Aufprall nicht. Oft explodieren sie erst bei einer Erschütterung Jahre später- sie sind deshalb eine große Gefahr für Zivilist*innen.

Die Marines waren hochspezialisierte Experten – und trotzdem kam es zu diesem Unfall. Einer der Männer verlor dabei sein linke Hand, einen Teil der rechten Hand, sein rechtes Bein sowie sein linkes Auge. Ein weiterer Mann starb Minuten später an den Verletzungen, die er durch die Explosion erlitt.

Die Mutter des toten Marines, Lynn Bradach, kämpfte jahrelang für ein Verbot von Streumunition. Doch trotz ihres Engagements sind die USA dem Verbot von Streumunition bis heute nicht beigetreten. Lynn Bradach ist schockiert, dass die USA heute sogar die Ukraine mit diesen menschenverachtenden Waffen beliefern. Wenn schon ihr perfekt ausgebildeter Sohn starb – in welcher Gefahr schwebt dann erst die Zivilbevölkerung in den bombardierten Gebieten?

Streumunition kann Dutzende oder sogar Hunderte winziger Submunitionenauf einmal verstreuen. Ein großes Problem bei Streumunition ist ihre besonders hohe Blindgänger-Rate. Bis zu 40% der Submunition, im Einzelfall sogar noch mehr, explodiert nicht beim Aufschlag.

Die USA liefert Streumunition in die Ukraine

Über 100 Länder haben den Einsatz dieser Streumunition aufgrund ihrer Gefährlichkeit, insbesondere für Kinder, verboten. Die USA, Russland und die Ukraine gehören jedoch nicht dazu. Im Juli 2023 beschloss die US-Regierung unter Präsident Biden, der Ukraine Streumunition zur Verfügung zu stellen, nachdem versichert wurde, dass sie verantwortungsvoll eingesetzt und die Einsatzorte dokumentiert werden.

Einige amerikanische Zivilist*innen und Veteranen sind frustriert und besorgt über diese Entscheidung. Sie berichten von eigenen Erfahrungen mit den Risikendieser Streumunition. Trotz des Wunsches, dass die Ukraine ihr Land zurückerobern kann, sind sie sich der langfristigen Gefahren bewusst, die von dieser Art von Explosivwaffen  ausgehen. Sie hoffen, dass die Verantwortlichen in der Ukraine die Tragweite dieser Entscheidung verstehen.

Zum ganzen Artikel der New York Times:

Three American Lives Forever Changed by a Weapon Now Being Sent to Ukraine

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