Streubombenverbot muss stark bleiben
Vom 14. bis 18. September 2026 fand in Vientiane, Laos, die dritte Überprüfungskonferenz der Streubombenkonvention statt. Internationale Abrüstungsabkommen stehen derzeit zunehmend unter Druck. Umso wichtiger war das Signal der Vertragsstaaten, am Verbot von Streumunition festzuhalten. Handicap International (HI) hätte sich an einigen Stellen allerdings deutlichere und konkretere Positionen gewünscht.
Zum Abschluss verabschiedeten die Staaten den Vientiane Capital Action Plan 2027–2031. Er soll die Umsetzung der Streubombenkonvention in den kommenden fünf Jahren leiten.

Eine wichtige Konferenz in einem besonders betroffenen Land
Gastgeber der Konferenz war Laos, eines der weltweit am stärksten durch Streumunition belasteten Länder. Der laotische Premierminister Sonexay Siphandone eröffnete die Konferenz persönlich.
Während des Indochinakriegs warfen US-Bomber mehr als 270 Millionen Submunitionen über Laos ab. Schätzungsweise rund 80 Millionen davon explodierten nicht und blieben als Blindgänger zurück. Die Folgen sind bis heute zu spüren.
Laos gehörte zu den ersten Staaten, die die Streubombenkonvention unterzeichneten und ratifizierten. Dass die dritte Überprüfungskonferenz gerade hier stattfand, war deshalb besonders wichtig für das Land.
An der Konferenz nahmen 66 der 112 Vertragsstaaten teil, außerdem sieben Unterzeichnerstaaten und 17 Beobachterstaaten. Hinzu kamen internationale Organisationen und zahlreiche Vertreter*innen der Zivilgesellschaft.
Das Streubombenverbot steht vor großen Herausforderungen
HI setzte sich während der Konferenz gemeinsam mit der Cluster Munition Coalition (CMC) dafür ein, dass die Staaten Herstellung, Weitergabe und Einsatz von Streumunition klar verurteilen. Außerdem ging es darum, weitere Länder für die Streubombenkonvention zu gewinnen.
Wie aktuell die Gefahr durch Streumunition nach wie vor ist, zeigt der Streubomben-Monitor 2026. Im Jahr 2025 wurden mehr als 1.000 Menschen durch Streumunition getötet oder verletzt. 87 Prozent der dokumentierten Betroffenen waren Zivilist*innen, die meisten aus der Ukraine. Außerdem gab es u.a. Opfer in Afghanistan, Kambodscha, Irak, Laos, Libanon, Myanmar, Russland und Syrien.
Litauen trat im März 2025 aus der Streubombenkonvention aus. Es war der erste Austritt eines Vertragsstaates seit Bestehen der Konvention.
Während der Konferenz bestätigte außerdem Thailand, das der Konvention nicht beigetreten ist, den Einsatz von Streumunition im Konflikt mit Kambodscha. Auch ein gemeldeter Einsatz in Mali wurde diskutiert. Mali ist Vertragsstaat der Konvention. Wer dort für den Einsatz verantwortlich war, ist bislang nicht geklärt.
Mehr dazu:
• Litauen: Austritt aus der Konvention über Streumunition
• Thailand/Kambodscha: Einsatz von Streumunition
• Mali: Berichte über den Einsatz von Streumunition
Überlebende im Mittelpunkt
Ein wichtiger Teil der Streubombenkonvention ist die Opferhilfe. Bei der Konferenz waren Überlebende deshalb nicht nur bei der Eröffnung präsent, sondern auch bei mehreren Begleitveranstaltungen und ihre wichtige Rolle bei der Implementierung der Konvention wurde in zahlreichen Beiträgen der Staaten erwähnt.
HI organisierte in Vientiane eine eigene Veranstaltung zur Opferhilfe mit rund 50 Teilnehmenden. Auf dem Podium saßen unter anderem Überlebende aus Kambodscha und Tadschikistan, Fachleute aus Laos sowie Vertreter*innen eines betroffenen Staates und eines Geberlandes. Opferhilfe bedeutet dabei deutlich mehr als medizinische Versorgung.
„Die Unterstützung für Überlebende endet nicht, wenn die körperlichen Wunden verheilt sind.“– So Not, Überlebender aus Kambodscha
Genauso wichtig ist, dass Überlebende selbst mitentscheiden können. Entscheidungen über ihre Unterstützung sollten nicht ohne sie getroffen werden.
Auch Phongsavath Manitong aus Laos brachte diese Perspektive in die Konferenz ein. Er wurde selbst durch Streumunition verletzt und engagiert sich als Überlebender gegen diese Waffen. Bei einer Abendveranstaltung erzählten laotische Überlebende von ihren persönlichen Erfahrungen. Phongsavath führte außerdem gemeinsam mit einem bekannten laotischen Sänger und einer Band aus Überlebenden ein Lied auf, das die Streubombenkonvention aus ihrer Perspektive feierte.

Finanzierung bleibt ein Problem
Mehrere betroffene Staaten machten während der Konferenz deutlich, dass sie weiterhin finanzielle Unterstützung brauchen – sowohl für die Räumung von Streumunition als auch für die Hilfe für Überlebende.
Gleichzeitig stehen die Mittel für humanitäre Minenräumung zunehmend unter Druck. Gerade bei der Unterstützung von Überlebenden ist eine verlässliche und langfristige Finanzierung entscheidend. Viele Menschen sind über Jahre oder sogar ihr ganzes Leben auf Unterstützung angewiesen.

Ein Plan für die nächsten fünf Jahre
Zum Abschluss verabschiedeten die Vertragsstaaten den Vientiane Capital ActionPlan 2027–2031. Darin legen sie die Schwerpunkte für die kommenden fünf Jahre fest. Dazu gehören unter anderem Räumung, Opferhilfe, die Vernichtung von Beständen, internationale Zusammenarbeit und die weitere Verbreitung der Streubombenkonvention.
Zusätzlich verabschiedeten die Staaten eine politische Erklärung, in der sie ihr Bekenntnis zu den Zielen der Konvention bekräftigten.
Für HI ist der neue Aktionsplan eine wichtige Grundlage für die kommenden Jahre. Die Konferenz hat aber auch gezeigt, dass das internationale Streubombenverbot weiterhin unter Druck steht und seine Umsetzung konkrete Unterstützung braucht.
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