Streubomben/Streumunition - was ist das?

Streubomben - auch Streumunition genannt - verteilen viele kleine Bomben über eine breite Fläche. Beim Aufprall explodieren oft nicht alle Geschosse und bleiben als Blindgänger liegen. Streumunition kann nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheiden.

Streumunition besteht aus einem Behälter und der darin enthaltenen Submunition. Die Anzahl dieser sogenannten Mini-Bomben oder Bombies kann von einigen wenigen bis zu Hunderten reichen. Bei gängigen Modellen ist die Submunition etwa so groß wie eine Getränkedose, doch es gibt viele unterschiedliche Munitionstypen in variierenden Größen und Farben.

Streubomben verteilen ihre Munition breitflächig über Landstriche von der Größe einiger Fußballfelder bis zu mehreren Hundert Hektar. Durch die ungezielte Wirkung (sie können nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheiden) werden bei fast jedem Einsatz auch Zivilpersonen getroffen. Außerdem hinterlässt Streumunition viele Blindgänger: bis zu 40 Prozent der Submunition explodiert beim Aufprall nicht, in Einzelfällen sogar bis zu 100 Prozent. Ihre Zünder sind im Gegensatz zu den Zündern von Blindgängern großer Bomben hochsensibel und können bei der kleinsten Berührung explodieren. So gefährden Streubomben auch noch lange nach einem Angriff die Menschen, die in den betroffenen Gebieten leben oder arbeiten. Sie wirken wie Landminen.

Schritt 1:

Streumunition wird von einem Flugzeug abgeworfen oder von Raketenwerfern am Boden abgefeuert.

Schritt 2

Das Gehäuse öffnet sich und verteilt die Submunition über eine Fläche, die sich von der Größe einiger Fußballfelder bis zu einigen hundert Hektar erstreckt.

Schritt 3

Jede Submunition hat etwa die Größe einer Getränkedose. Einige Modelle fahren einen kleinen Fallschirm aus, der zur Stabilisierung dient und sicherstellen soll, dass die Munition mit dem Vorsprung nach unten aufkommt. Dieser verfängt sich oft in Bäumen und Sträuchern.

Schritt 4

Die Submunition ist dafür bestimmt, beim Aufprall auf dem Boden zu explodieren. Die Explosion einer Submunition kann tödliche Verletzungen innerhalb eines Radius bis zu 100 Metern verursachen.

Die Folgen von Streumunition

Sobald Submunition aus Streumunition explodiert werden Hunderte von Splittern freigesetzt, die alle Menschen in der Nähe oder sogar in einiger Entfernung der Explosion töten oder schwer verletzen können. Während Landminen so konstruiert sind, dass sie eher verstümmeln als töten, enthalten die kleinen Bomben mehr Sprengkraft und Metallsplitter und führen so schneller zum Tod.  

Unfälle mit nicht explodierter Munition ereignen sich, sobald Menschen die Blindgänger berühren - zufällig, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit bei der Arbeit, Neugierde oder sozialer Verantwortung. So kann es passieren, dass Eltern versuchen, die Bomben selbst zu räumen, um ihre Kinder zu schützen oder dass Felder gesäubert werden, um wieder Nahrung anbauen zu können. Hirten, Bauern und Kinder werden besonders oft Opfer dieser Waffen. Auch Armut verstärkt das Risiko: Oft versuchen die Menschen aus finanzieller Not, nicht explodierte Munition zu sammeln, um sie als Altmetall zu verwerten und zu verkaufen. Ihre Form, Größe und manchmal auch die verwendete leuchtende Farbe machen Streumunition vor allem für Kinder interessant.

Beinahe jeden Tag ereignen sich weltweit Menschen Unfälle mit Streubomben. Durch die bei der Explosion entstehende Druckwelle verbreiten sich die Splitter der Submunition mit hoher Geschwindigkeit und können dabei entsetzlichen Schaden an Gewebe und Organen zur Folge haben. Schon ein einzelner Splitter kann wie eine Pistolenkugel wirken und zum Beispiel die Milz zerreißen. Die Überlebenden leiden allerdings nicht nur unter den Verletzungen:

  • Die Explosion reißt Arme oder Beine ab, macht Amputationen und Prothesen notwendig, führt zu Verbrennungen, Stichwunden, gerissenen Trommelfellen oder Erblinden.
  • Die traumatischen Erlebnisse beschäftigen die Überlebenden und ihre Familien oft ein Leben lang.
  • Wenn Menschen bei der Arbeit - zum Beispiel auf dem Feld - getroffen werden, so verlieren viele Familien ihre Ernährerin oder ihren Ernährer.
  • Durch die vielen verletzt Überlebenden steigt die Anzahl der Menschen mit Behinderung. Viele von Ihnen benötigen ein Leben lang angepasste Unterstützung, die ihnen mangels staatlicher Kapazitäten oft von Hilfsorganisationen wie Handicap International vermittelt wird.

Gesellschaftliche Konsequenzen von Streumunition

  • Oft können die Überlebenden, die durch den Unfall häufig schwere Behinderungen davontragen, aufgrund fehlender Strukturen oder überholter Einstellungen in den Köpfen keine aktive Rolle mehr in der Gesellschaft spielen.

  • Vor allem in traditionellen, ländlichen Gegenden können die Überlebenden oft nicht mehr heiraten, Kinder bekommen oder Arbeit finden.

  • Durch die körperlichen Veränderungen werden die Menschen oft aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder sie fühlen sich zumindest so.

  • Ein Unfall betrifft ebenso die Verwandten der Überlebenden, wirtschaftlich wie psychologisch.

  • Verwandte der Überlebenden können oft nicht mehr für ihren Lebensunterhalt sorgen, da die häusliche Pflege zu zeitintensiv ist.

  • Oft können sich die Menschen die teure medizinische Behandlung nicht leisten. Entweder bekommen sie keine Behandlung oder die Familie muss all ihre Besitztümer verkaufen.

  • Ganze Familien müssen Hunger leiden, da ihre Felder nicht mehr bestellt werden können.

  • Vertriebene können nicht mehr nach Hause zurückkehren, da ihre Heimat durch kontaminierte Flächen zu gefährlich ist.

  • Kinder können nicht mehr in Schulen gehen - sei es, weil die Schulen ebenfalls kontaminiert sind oder weil die Kinder, wenn sie nach einem Unfall traumatisiert sind und/oder eine Behinderung haben, aus unterschiedliche Gründen nicht mehr in den Regelunterricht gehen können/dürfen.

Wirtschaftliche Konsequenzen von Streubomben

  • Felder, Straßen, Wasserstellen und wichtige Infrastruktur werden oft für lange Zeit verseucht und unbrauchbar.

  • Grundstücke sind durch Streumunition unbegehbar. Vertriebene Menschen können deshalb nicht in ihre Heimat, ihre Häuser und in ihre Arbeitsstätten zurückkehren.

  • Der Zugang zu Dienstleistungen, Krankenhäusern, Schulen oder zur Stromversorgung wird verhindert.

  • Die wirtschaftliche Entwicklung großer Gebiete wird durch all diese Faktoren gehemmt.

Folgen für die Umwelt durch Streumunition

  • Ackerland ist durch Streumunition nicht mehr nutzbar. Um diesen Verlust auszugleichen, erhöht sich häufig der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern auf den verbleibenden Feldern. Als Konsequenz sind sowohl Boden als auch Grundwasser regional stark angegriffen.1
  • Vormals ungenutzte Naturschutzgebiete können durch kontaminiertes Ackerland zur Erzeugung von Nahrungsmitteln in den Fokus der Menschen geraten. Auf diese Weise bedroht der Einsatz von Streumunition indirekt auch die Biodiversität.
  • Gefährdete Spezies können weiter zurückgedrängt und angegriffen werden. Dies zeigt/e sich beispielsweise bei Braunbären in Kroatien, Leoparden in Afghanistan und verschiedenen Gazellen in Libyen. Die letzten Berggorillas in Ruanda sollen durch nicht-explodierte Submunitionen und Landminen getötet worden sein.2
  • Nicht-explodierte Streumunitionen setzen über die Zeit chemische Substanzen frei. Abhängig von der Häufung in einem Gebiet, können diese Stoffe Böden und Grundwasser für lange Zeiträume schwer belasten.3

Die Folgen von Streumunition sind bekannt - und so ist es gut, dass sie von vielen Staaten mit dem Verbot von Streubomben geächtet wurden. Doch noch immer wollen viele Staaten nicht auf Lagerung, Besitz und den möglichen Einsatz von Streumunition verzichten und noch immer werden Streubomben in aktuellen Konflikten eingesetzt. Gleichzeitig bedrohen Millionen von Blindgängern die Menschen in vielen Ländern wie Laos, Libanon, Irak etc. oft seit Jahrzehnten. Umso wichtiger ist deshalb heute die Räumung der Blindgänger.

1) Berhe, Asmeret A., 2007: The contribution of landmines to land degradation. In: Land Degradation & Development 18(1), 1–15, S. 6f
2) Berhe, Asmeret A., 2005: Politicizing Indiscriminate Terror: Imagining an Inclusive Framework for the Anti-Landmines Movement. In: The Journal of Environment & Development 14(3), 375–393, S. 377–378; Berhe 2007, S. 7-8
3) Certini, Giacomo/Riccardo Scalenghe/William I. Woods, 2013: The impact of warfare on the soil envi-ronment. In: Earth-Science Reviews 127, 1–15

Unterzeichnen Sie diese Petition und sagen Sie mit uns Nein zu Bomben auf Wohngebiete! Verhindern Sie, dass noch mehr Kinder wie Malak ein Arm oder ein Bein verlieren oder gar getötet werden. Retten Sie Leben und verhindern Sie bleibende Behinderungen.

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