Myanmar ist stark mit Landminen und auch mit Streumunition verseucht. Jedes Jahr gibt es hunderte Opfer. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Kachin, Shan und Karen sowie die Region Ost-Bago. Ein offizielles Minenräumprogramm gibt es bisher nicht und deshalb auch keine Daten zur Anzahl der verlegten Minen und die Örtlichkeiten.

Myanmar galt 2017 als das asiatische Land mit der dritthöchsten Anzahl an Landminenopfern. Laut Berichten des Landmine and Cluster Munitions Monitor (2018) setzten in den letzten Jahren sowohl Regierungstruppen als auch Rebellen Landminen ein. Allein im vergangenen Jahr habe es dabei mindestens 202 Opfer von Landminen gegeben. Da es quasi keine offiziellen Zahlen gibt oder diese sich widersprechen, dürfte die tatsächliche Zahl an Todesopfern noch höher liegen.

Seit Jahrzehnten leidet die Bevölkerung unter ethnisch angefeuerten Konflikten, die Gewalt und Unruhen bringen. Zwar startete 2011 ein Friedensprozesses, doch wahrer Frieden ist noch weit entfernt, wie die massenhaften Vertreibungen der muslimischen Minderheit der Rohingya zeigte. Außerdem wurden seitdem dennoch mehr als 1.200 Menschen durch Minen getötet oder verletzt, mehr als 90 Prozent davon in den Bundesstaaten Kachin, Shan und Karen oder in der Region Ost-Bago. Ein Friedensprozess alleine reicht also nicht. Nur die konsequente Räumung von bereits verlegten Anti-Personen-Minen und anderen Kriegsresten kann die Bevölkerung effektiv schützen.

Im Interview mit Nyein Nyein von Irrawaddy.com berichtet Yeshua Moser-Puangsuwan, Forschungskoordinator des Landminenmonitors, über den aktuellen Stand der Minenräumung in Myanmar.

Wie sammeln Sie Informationen über Unfälle mit Landminen?

Da es keine offiziellen Unterlagen gibt, können wir nur die Daten zusammenzählen, die wir haben. Wir gehen jedoch davon aus, dass diese Daten unvollständig sind und bitten die entsprechenden Stellen, ihre Erhebungen zu veröffentlichen [...].

Wie stellen Sie fest, ob Landminen immer noch eingesetzt werden?

Es gibt immer wieder Anschuldigungen und Behauptungen und je detaillierter diese sind, desto mehr Vertrauen können wir in sie haben. Oft kommen sie von der lokalen Bevölkerung, die von der einen oder anderen Seite gewarnt wurde, dieses oder jenes Gebiet zu betreten. Jeder kennt diesen Code: Vorsicht, dort sind Minen. Das ist eine der Möglichkeiten, wie wir Fakten erfahren. Ein anderer Weg ist, dass es einen Unfall gibt. Vielleicht wissen wir von der Bevölkerung, welche Gruppe in diesem Bereich tätig ist [...]. Das ist also die Grundlage, auf der wir unsere Untersuchungen aufbauen – ganz schön kompliziert.

Ist das Sammeln von Informationen durch den Wandel von einer Militärregierung zu einer formellen Regierung schwerer geworden?

Nein. Ich würde sagen, dass es heute einfacher ist, unter anderem weil das Problem heute immerhin offiziell anerkannt ist. Solange ein Problem geleugnet wird, ist es schwer, darüber überhaupt zu reden. Aber nun muss es weitergehen. Die Regierung muss nun nach internationalen Standards mit der Minenräumung beginnen. Eine Geheimhaltung bringt nichts.

Was können wir gegen den weiteren Einsatz von Landminen tun?

Bald wird es Wahlen geben und alle Kandidat/-innen sollten einige Fragen gestellt bekommen. Wie stehen sie zur weiteren Nutzung von Anti-Personen-Minen und Anti-Fahrzeug-Minen? Soll Myanmar Mitglied des Ottawa-Minenverbotsvertrags von 1997 werden, der Anti-Personen-Minen umfassend verbietet und durch Opferhilfe und Minenräumung Wiedergutmachung und Wiederaufbau fördert? Dies ist die Lösung für das Problem. Das hat sogar die Regierung von Myanmar in ihrer Erklärung während der Vertragsstaatenkonferenz in Genf ausgedrückt. Der Minenverbotsvertrag sei die Lösung für die Verseuchung mit Landminen [..]. Allerdings kommen wir nicht aus Myanmar. Wir haben diverse Möglichkeiten, zu helfen. Aber am Ende muss die Bevölkerung ihre Führung selbst zur Rechenschaft ziehen [...].

Im NCA, dem nationalen Abkommen zum Waffenstillstand, gibt es einen Abschnitt zu Minenräumung und Schutz der Zivilbevölkerung. Gleichzeitig habe ich gehört, dass einige der (bewaffneten) Gruppen angefangen haben, Risikoaufklärung zu betreiben und sich mit der Räumung von Landminen auseinanderzusetzen. Allerdings können sie das noch nicht wirklich tun. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? An der Regierung?

Um auf diese Frage eine klare Antwort zu erhalten, müssten Sie sie jeder der Gruppen stellen. Einige Gruppen haben um Unterstützung bei der Minenräumung gebeten, allerdings scheint das unter dem NCA nicht möglich zu sein. [...] Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass die Behörden jetzt sofort eine Minenräumungsbehörde aufbauen. Diese könnte eigenständig in ihren Aufgabenbereichen arbeiten und nicht den Auflagen des NCA unterliegen. Wenn so ein Programm erst einmal gestartet ist, ist es viel leichter, den Aufgabenbereich zu erweitern.

Würde es sich auf den Friedensprozess auswirken, wenn die bewaffneten Gruppen Minen räumen?

Ich gehe davon aus, dass damit Vertrauen geschaffen würde. Die Menschen erhalten ihr Land zurück und können wieder in einer sicheren Umgebung leben. Eine direkte Friedensdividende also. Wenn diese Aktivitäten gemeinsam gemacht werden, baut das Vertrauen auf. Diese win-win Situation ist einzig und alleine eine gute Sache, die auch im NCA gefordert wird. So würde auch der Friedensprozess gestärkt [...].

Bisher wurden noch kaum Minen geräumt?

Das ist richtig. Da es kein offizielles Programm gibt, werden Minen nur sporadisch geräumt. Meist von einer Gruppe oder dem Militär. Sie kündigen dann die Räumung an, doch sobald es ein erstes Opfer gibt, hören sie wieder auf. Das haben wir in den letzten Jahren immer wieder beobachtet.

Arbeiten Sie für ihre Berichte mit allen Beteiligten zusammen?

Wir reden mit allen. Die Regierung ermutigen wir, dem Minenverbotsvertrag beizutreten und die bewaffneten Gruppen ermutigen wir entsprechend der Richtlinien des Vertrags zu handeln. Außerdem gibt es selbst für international nicht anerkannte Gruppen Systeme, denen sie beitreten können [...].

Gibt es Gruppen, die sich besonders für Minenräumung engagieren?

Karenni und die Karen.

Scheinbar werden jedoch kaum Fortschritte erzielt?

Richtig. Leider läuft kein offizielles Minenräumungsprogramm.

Die Zivilgesellschaft ist bereit für Aufklärung und Räumung. Aber auf welchem Niveau sind wir in Bezug auf Bewusstsein und technischen Fortschritt?

Vor null.

Wo kann die Minenräumung in Myanmar beginnen?

Waren sie schon mal in Hpa-an? Im Süden der Straße, im Bereich um eine große Fabrik, gibt es Landminen. In der Gegend ist seit 20 Jahren Frieden. Dort könnte sofort mit der Räumung begonnen werden. Es würde für niemanden einen Unterschied machen – außer für die dort lebenden Menschen. Sie würden ihr Land gerne zurück haben. Und es gibt sehr viele Orte dieser Art.

 

Stand: 13.6.2019

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