Opfer aus dem Libanon

Israel hat im Libanon 1978, 1982, 1996, im Dezember 2005 und zuletzt zwischen dem 12. Juli und dem 14. August 2006 Streumunition verwendet, wobei der Großteil dieser Munitionen erst in den letzten 72 Stunden des Krieges eingesetzt wurde. Das vollständige Ausmaß des Streu-Submunitionseinsatzes ist unbekannt. Schätzungen gehen davon aus, dass allein während des Krieges 2006 weit über 4 Millionen Streu-Submunitionen mittels Raketen und Artilleriegeschossen verstreut wurden. Die von Flugzeugen abgeworfenen Streu-Submunitionen sind in diese Schätzungen noch gar nicht eingerechnet.

 

Souknah und Hassan

Souknah
Souknah © Handicap International

Souknah ist 12 Jahre alt. Ihre Familie musste aus ihrem Dorf fliehen, als es während des Kriegs bombardiert wurde. Nach ihrer Rückkehr macht Souknah zusammen mit ihrer Cousine Marwa und ihrem Cousin Hassan einen Spaziergang durchs Dorf. Als sie durch eines der zahlreichen zerstörten Viertel gehen, entdecken sie eine Submunition. Die junge Marwa hebt die Bombe auf, begleitet von den Schreien ihres Cousins, der die Gefahr erkannt hat und sie anschreit, dass sie sie wieder weglegen soll. Doch Marwa erschrickt und wirft die Submunition weg. Sie explodiert und verletzt Hassan und Souknah sehr schwer. Dorfbewohner bringen die beiden schnell ins nächst gelegene Krankenhaus. Hassans Zustand bleibt drei Tage lang kritisch. Er muss mehrere Operationen über sich ergehen lassen, um die Metallsplitter aus seinen Beinen, seinem Magen und Oberkörper zu entfernen. Seine Verdauungsorgane, die Leber und Nieren sind ebenfalls schwer betroffen.

Auch Souknah wird am ganzen Körper verletzt. Ihr Magen und ihre Brust sind besonders betroffen. Ihr werden in drei Operationen Splitter aus Magen, Leber und Lunge entfernt. Die Ärzte können in diesen Operationen jedoch nicht alle Splitter entnehmen. Nun müssen sie warten, bis sich Souknahs Zustand verbessert hat und sie ein weiteres Mal operieren können.

 

Ali und Hussayn

Laila und Hussayn vor dem Foto von Ali
Laila und Hussayn vor dem Foto von Ali © Handicap International

Ali war 42 Jahre alt. Als Ehemann und Vater von vier Kindern war er Familienoberhaupt und Ernährer. Ali war Minenräumer. Er träumte davon, für die UN-Friedenstruppe im Libanon zu arbeiten, um sein Land von der tödlichen Bedrohung durch Submunitionen befreien zu können. Ali und sein Freund Hussayn waren gerade auf einem Feld unterwegs, um nach überlebenden Gemüsepflanzen zu suchen, als er plötzlich auf eine nicht explodierte Submunition tritt, die daraufhin explodiert. Er ist sofort tot.

Seine Frau Layla war vor dem Krieg als Grundschullehrerin tätig. Doch die Schule wurde zerstört, deswegen wird sie vermutlich lange Zeit keine Arbeit mehr finden und weiß nicht, wie sie ihre Familie ernähren soll.

Hussayn wurde von zahlreichen Splittern am rechten Bein und den Armen getroffen. Mehrere Nerven und Muskeln mussten durchtrennt werden. Vor dem Unfall arbeitete Hussayn im Baugeschäft, doch aus heutiger Sicht wird er seinen Beruf wahrscheinlich nicht wieder ausüben können. Nun weiß er nicht mehr, wie er seine Frau und seine zwei Töchter ernähren soll.

Im Laufe der letzten zehn Jahre wurden während den erschütternden Konflikten im Libanon mehrere Millionen Submunitionen über zivilen Gebieten verstreut. Viele davon sind nicht explodiert und warten auf ihr nächstes Opfer.

Diese Opferberichte wurden von den Teams von Handicap International im September 2006 im Libanon gesammelt.

Stand: 11/2008

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