Im Kosovo stammt ein Großteil der Streumunition aus dem Einsatz der NATO-Streitkräfte (Großbritannien, USA, Niederlande), die diese gegen die Bundesrepublik Jugoslawien von März bis Juni 1999 in der "Operation der Alliierten Streitkräfte" eingesetzt haben. Hier wurden ca. 300.000 Streubomben abgeworfen, die eine Vielzahl an Submunitionen verteilten.

Nerodimlje in der Nähe von Ferizai. Adnan Maloku verlor durch Submunitionen kurz vor seinem 7. Geburtstag die Hälfte seiner Familie.
Am 17. August 1999 war Adnan mit seiner Familie zum Baden an einem See. Er fand eine Kiste aus gelbem Metall und brachte sie zu seiner Familie, ohne zu wissen, dass es sich um einen sehr gefährlichen Kriegsüberrest handelte, nämlich eine nicht explodierte Streu-Submunition des Typs BLU-97. Der älteste Bruder von Adnan, Gazmend, 17 Jahre alt, ließ das Objekt fallen. Es explodierte.
Gazmend und sein Vater wurden auf der Stelle getötet. Adnan wurde am Arm und am linken Bein verletzt.
Am Tag nach dem Unfall ging Sanije, die Schwester von Adnan, zu dem Ort zurück, um die von der Familie zurückgelassenen Sachen zu holen. Als sie dort ankam, trat auch sie auf eine Submunition und starb sofort.
Adnan wurde zwei Monate lang medikamentös versorgt, er hatte sehr viel Blut verloren. Er leidet noch heute unter Blutarmut. Sein linker Arm ist immer noch sehr schwach und er kann keine schweren Sachen tragen. Erst im Januar 2000 konnte er wieder zur Schule gehen. Er hat schlechte Noten und muss wohl bald seine Schulzeit unterbrechen. Trifft man ihn, so spürt man die ihm innewohnende tiefe Traurigkeit und schreckliche Schuld.
Ymrije, seine älteste Schwester, kümmert sich seitdem um ihn und ihre Mutter, die durch den Unfall stark traumatisiert ist. Sie leben zu dritt von 62€ Rente des Vaters im Monat – das ist sehr wenig Geld für drei Personen.

Korishë in der Nähe von Prizren. Luljeta Rexhaj war 26 Jahre alt, als sie im April 1999 Opfer einer Bombardierung mit Submunitionen wurde.
Nachdem die Einwohner des Dorfes Korishë, das nahe der albanischen Grenze liegt, von den serbischen Militärs gejagt worden waren, wurden sie auf der Straße vor ihrem Dorf eingefangen und zusammengetrieben, um dort die Nacht zu verbringen. Gegen Mitternacht wurden alle von einem Luftangriff der NATO geweckt, die Submunitionen über dem Dorf abwarf. Häuser und Traktoren, in denen einige Personen schliefen, standen unter Feuer. Luljeta, die von ihrem Mann und ihrer Tochter getrennt worden war, hielt ihren kleinen Sohn in den Armen und versuchte, den Keller eines Hauses zu erreichen, als sie am rechten Bein und am linken Fuß getroffen wurde. Sie wurde in der Nacht im Krankenhaus von Prizren operiert, in das sie von den serbischen Militärs gebracht worden war. Ihr rechtes Bein wurde oberhalb des Knies amputiert und sie hat außerdem Zehen am linken Fuß verloren.
In den darauf folgenden Monaten musste Luljeta eine schwere Infektion durchmachen und weitere Operationen über sich ergehen lassen, um die Metallsplitter aus ihrem Körper zu entfernen. Anfangs konnte sie nicht mit dieser schwierigen Situation umgehen und dachte an Selbstmord. Doch dann gab ihr ein Soldat den Mut zurück, mit dem sie viele Stunden geredet hatte, und sie beschloss, ihr Leben fortzuführen und sich um ihre Kinder zu kümmern.
Diese Opferberichte wurden von den Teams von Handicap International im Libanon im September 2005 gesammelt.
Stand: 11/2008