
Soraj Ghulam Habib © banadvocates.org
Mein Name ist Soraj Ghulam Habib, ich komme aus der Provinz Herat in Afghanistan. Ich wurde während der Kriegszeit geboren und bin inmitten der Konflikt- und Gewaltsituation in Afghanistan aufgewachsen. Als ich acht Jahre alt war, begann ich zur Schule zu gehen und wünschte mir, dass ich schnell erwachsen würde und eines Tages für meine Familie und Gesellschaft arbeiten könne. Im Alter von zehn Jahren verlor ich beide Beine und wurde somit behindert. Ich vergaß, was ich einmal werden wollte, wenn ich groß war und dass ich einst für meine Familie und Gesellschaft hatte arbeiten wollen.
Jetzt sitze ich im Rollstuhl und kann nichts anderes tun als zu lernen. Ich hoffe, dass ich durch meine Studien meine Verpflichtungen mir und meiner Gesellschaft gegenüber erfüllen kann. Ja, ich bin das Opfer von Streumunition geworden, diesem versteckten Feind der Menschen.
An einem Tag während meiner Kindheit spielte ich eifrig mit meinen Freunden in Herat, bis ich plötzlich mit einem unbekannten Objekt zusammenstieß, das mir die Hälfte meines Körpers geraubt hat. Ich verlor beide Beine und einige meiner Freunde wurden ebenfalls verletzt. Spielen und Spaß waren die Auslöser für mein Leiden und schweren Probleme und meine Familie bekam einen Sohn ohne Beine, der für immer an den Rollstuhl gefesselt sein wird und dessen normales Schulleben für immer vorbei war.
Ich spreche nicht nur für mich, sondern ich spreche für die tausend unschuldigen und zum Opfer gefallenen Kinder meines Landes, die leiden müssen und die durch den zerstörerischen Krieg und seine Minen und Streubomben Teile ihres Körpers verloren haben. Und jetzt befinden sie sich in einer sehr schlechten Lage, sie haben keinerlei Bildungsmöglichkeiten und Einrichtungen. Wer wird sich denn um uns kümmern? Es finden Konferenzen statt, die sich mit den Problemen behinderter Menschen befassen.
Ich verlange nicht von ihnen, dass sie mir meine Beine wieder zurückgeben, denn das können sie nicht. Ich verlange von ihnen, dass sie mir Möglichkeiten zur Lebenssicherung bereitstellen; als menschliches Wesen verlange ich von ihnen, Bildungsmöglichkeiten zu beschaffen.
Ich will nicht, dass meine Kinder einmal dieselben Probleme wie ich erleiden müssen. Als Opfer von Streubomben, das zwei Beine verloren hat, bitte ich diejenigen, die diese schädlichen Waffen herstellen, verwenden und mit ihnen handeln: Bitte stoppt Streumunition ein für allemal, bevor auch eure Kinder ein solch schreckliches Schicksal erleiden müssen. Unterzeichnet und bejaht ein totales Verbot von Streubomben, wie auch andere menschenfreundliche Länder es bereits getan haben. Lasst uns gemeinsam für den Frieden arbeiten, nicht nur für mich, sondern für die gesamte Menschheit.
Stand: 11/2008
