Landmine Monitor 2008: Die Zahl der Opfer sinkt erstmals auf unter 6.000

Der jährliche „Landmine Monitor“ der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL) berichtet seit 1999 jedes Jahr über die humanitären Auswirkungen von Landminen, Streumunition und anderen explosiven Überresten des Krieges und überwacht die Einhaltung des Vertrags über ein Verbot von Anti-Personen-Minen von 1997 (Ottwawa-Vertrag). Die aktuelle Ausgabe beinhaltet Zahlen und Fakten aus 121 Ländern.

Für das Jahr 2007 wurden in der zehnten Ausgabe dieses Reports 5426 Opfer von Landminen und Blindgängern offiziell registriert. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr (6022) einen Rückgang um 9 %. Der Bericht stellt fest, dass es 2007 in 78 Staaten zu Unfällen gekommen sei, wobei nur in 48 dieser Länder Unfälle systematisch erfasst werden. Man kann also nicht von einer Vollständigkeit der Zählungen ausgehen. Der Großteil der gemeldeten Unfallopfer waren Zivilisten und die Hälfte davon Kinder. Kolumbien (895) und Afghanistan (811) verzeichneten die meisten Unfälle.

Ein großes Problem ist der Mangel an verlässlichen und flächendeckenden Mitteln zur Datenerfassung. Unfallzahlen werden aus verschiedenen Quellen gesammelt, inklusive der Medien. Dies bedeutet, dass die bekannten Fälle wahrscheinlich deutlich von der tatsächlichen Zahl der hilfsbedürftigen Opfer abweichen.

Die Hilfe für die Opfer von Landminen und explosiven Überresten des Krieges, d.h. sowohl für die betroffenen Menschen, als auch deren Familien und Gemeinschaften, bleibt zu großen Teilen unzureichend. Lediglich vier der am Vertrag beteiligten Staaten machten erhebliche Fortschritte, um eine Verbesserung der Opferhilfe, wie für den Zeitraum 2005-2009 festgelegt, zu erreichen. Oft wird zwar in Notfällen medizinische Hilfe bereitgestellt, aber Folgebehandlungen, wie z.B. Rehabilitationsmaßnahmen und Programme zur Behandlung von psychischen Folgen werden vernachlässigt. Und wirtschaftliche Reintegrationsmaßnahmen, die für die Zukunft der Opfer besonders wichtig sind, waren der schwächste Teil der Programme zur Opferhilfe im Jahr 2007-2008.

Mit den Programmen zur Minenaufklärung wurden im Jahr 2007-2008 geschätzte 8.4 Millionen Menschen in 61 Ländern erreicht. Das ist die höchste Zahl, die bisher im Landmine Monitor verzeichnet wurde. Allerdings wurden Maßnahmen dieser Art in fast 30 Ländern als unzureichend eingestuft. Sieben davon wiederum befinden sich unter den Top-Ten  der Länder mit den höchsten Unfallzahlen.

Drei Länder konnten den Zeitplan für die Zerstörung der gelagerten Landminen nicht einhalten und verletzen damit den Vertrag. 15 weitere Staaten haben eine Fristverlängerung beantragt, um die Vorgaben zur Minenräumung einhalten zu können. Griechenland und die Türkei, die zusammen etwa 4.2 Millionen Anti-Personen-Minen lagern, verletzen den Vertrag, nachdem sie den vereinbarten Termin für die vollständige Zerstörung der Lagerbestände (1. März 2008) nicht einhalten konnten. Weißrussland verpasste zum 1. März ebenfalls den Ablauf der Frist für die Zerstörung der noch verbleibenden 3.4 Millionen Minen, bemüht sich derzeit aber, die Finanzierung für die Zerstörung der PFM Minen zu sichern - Minen, deren Vernichtung besonders aufwendig und kostenintensiv ist. Alle Minen anderer Bauart sind bis Ende 2006 zerstört worden. Seit der Veröffentlichung des letzten Jahresberichts haben Afghanistan, Burundi und der Sudan die vollständige Entsorgung der Lagerbestände abgeschlossen und 500.000 Minen sind zerstört worden.

Die größte Herausforderung des Vertrags war es sicherlich, darauf zu achten, dass die Regierungen der Länder die gegebenen Zusagen zur Räumung der verminten Bereiche einhalten. Etwa zwei Drittel der 15 Staaten, deren Frist 2009 endet, haben bereits angekündigt, dass sie diesen Zeitplan nicht einhalten können und eine Verlängerung beantragt. Seit Mai 2007 haben Frankreich, Malawi und Swasiland die Beendigung ihres Minenräumprogrammes bekannt gegeben. Die Gesamtzahl der Länder, die den Verpflichtungen des Ottawa Vertrages nachgekommen sind und alle Minen aus den betroffenen Bereichen beseitigt haben, erhöht sich dadurch auf zehn. Jedoch sind immer noch 70 Länder und sechs international nicht anerkannte Gebiete von Minen betroffen. In Gambia und Mali gab es 2007 zum ersten Mal Berichte über minenverseuchte Gebiete.

Der erneute Einsatz von Anti-Personen-Minen wurde nur aus zwei Staaten gemeldet: Russland und Myanmar. Beide Länder haben sich dem Vertrag über ein Verbot von Anti-Personen-Minen bisher noch nicht angeschlossen. Der Gebrauch von Minen und Sprengfallen durch nicht genau bezeichnete, bewaffnete Gruppierungen wurde aus neun Ländern gemeldet, im Vergleich zu acht gemeldeten Vorfällen im vorangehenden Bericht.

Im Jahr 2007 wurden durch die Internationale Unterstützung 431 Millionen US-Dollar für Minenprogramme aufgebracht. Das sind 33 Millionen weniger als 2006, aber dennoch stellt dieser Betrag die zweithöchste Zahl an jährlicher Finanzierung dar, die bisher im Landmine Monitor verzeichnet wurde. Zur Finanzierung von Hilfsprogrammen trugen 2007 die USA, Norwegen, aber auch die Europäische Union bei. Deutschland plant seinen Beitrag gegenüber dem Vorjahr mit ca. 17 Millionen Euro stabil zu halten.      

Hier lesen Sie den vollständigen Bericht "Landmine Monitor" (engl.)

Stand: 01/2009

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