OSLO — In letzter Minute erklärte der afghanische Präsident Hamid Karzai am Mittwoch, dass er sich nun doch den rund 90 anderen Nationen anschließen und den Vertrag über ein Verbot von Streubomben unterzeichnen werde. Auch sein Land war in den letzten Jahren von diesen Waffen verwüstet worden.
Die Entscheidung schien Präsident Karzais wachsende Unabhängigkeit von der Regierung Bush zu reflektieren. Diese stellt sich nämlich gegen den Vertrag und versuchte laut eines afghanischen Offiziellen, der sich nur unter Anonymität dazu äußerte, Präsident Karzai dazu zu drängen, nicht zu unterzeichnen.
"Bis heute morgen wollte Afghanistan nicht unterzeichnen," sagte Jawed Ludin, Afghanistans Botschafter für Skandinavien. Er sagte, die Meinungsänderung des Präsidenten ergab sich aus dem Druck von Menschenrechtsorganisationen und der Opfer von Streubomben, wie Soraj Ghulam Habib, einem 17-Jährigen aus Herat, der beide Beine verlor, als er vor sieben Jahren aus Versehen auf die explosiven Überreste einer Streumunition stieg.
Präsident Ludins Ankündigung wurde mit lautem Applaus im Rathaus von Oslo begrüßet, wo am Mittwoch nach zweijähriger diplomatischer Arbeit durch Norwegen die Unterzeichnungszeremonie begann. Bis Ende des Tages hatten mehr als 90 Staaten – darunter 18 von 26 NATO-Mitgliedern – den Vertrag unterzeichnet. Dieser Verbotsvertrag verbietet den Unterzeichnerstaaten Einsatz, Herstellung, Export und Lagerung von Streumunition.
Walter Gibbs berichtete aus Oslo, Kirk Semple aus Kabul, Afghanistan.
Stand: 12/2008
