Appell der Mutter eines amerikanischen Streubombenopfers

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Lynn Bradach © Cluster Munition Coalition

Lynn Bradach, 02. Dezember 2008

 
"Mehr als die Hälfte aller Nationen der Welt treffen sich am Mittwoch in Oslo zur Unterzeichnung eines Vertrags zum weltweiten Verbot von Streubomben. Auch wenn meine Regierung nicht dort sein wird, ich werde es.

Ich habe ein persönliches Anliegen in diesem Vertrag. Mein Sohn, Travis, ein Unteroffizier in der Marine, wurde im Juli 2003 von einer unserer eigenen Submunitionen getötet. Er war gerade dabei, ein Feld eines irakischen Bauern in der Nähe von Kerbela von nicht explodierten Kampfmitteln zu räumen, als ein Mann aus seiner Einheit eine der Submunitionen falsch bewegte. Sie explodierte, tötete Travis und kostete den Marineoffizier, der sie berührt hatte, ein Auge und einen Arm.

Als das Militär mich von Travis’ Tod informierte, sagten sie mir nicht, dass der "Sprengkörper" eine Submunition der Vereinigten Staaten gewesen war. Einige Männer aus Travis’ Einheit gaben mir diese Information. Es war das erste Mal, dass ich von Streubomben hörte. In den folgenden fünf Jahren habe ich genug erfahren, um zu wissen, dass ich nicht will, dass mein Land diese Waffen benutzt, um mich oder unsere Soldaten zu beschützen.

Diese Waffen wurden im Zweiten Weltkrieg für den Einsatz gegen Panzer auf weiten, unbewohnten Kriegsschauplätzen entwickelt. Sie waren nie dafür gedacht, in Städten, Dörfern oder sogar auf landwirtschaftlich genutzten Flächen eingesetzt zu werden. Aber sie werden es. In den letzten zehn Jahren hat die USA Streumunition in bewohnten Gebieten in Afghanistan, im Irak und im Kosovo eingesetzt. Israel setzte sie in Dörfern und Olivenhainen im Südlibanon ein. Und die USA ließen in einem geheimen Nebenkrieg zu Vietnam Streubomben auf Laos regnen. Diese Submunitionen explodieren immer noch in Laos, 30 Jahre nach dem Krieg.

Die Bush-Regierung und das Pentagon sagen, dass Streubomben erforderlich sind, um amerikanische Soldaten zu beschützen. Ich sage, dass die Verluste in der lokalen Bevölkerung zu hoch sind und dass die US-Submunitionen in gleicher Weise US-Truppen gefährden.
Nach offiziellen Angaben wurden während des Golfkrieges durch unsere eigenen Submunitionen 80 US-Soldaten getötet oder verwundet, weil sie durch abgelegene Gebiete mussten, in denen Blindgängern von Streubomben verstreut waren.

Vor kurzem traf ich einen jungen Mann aus Afghanistan. Sein Name war Soraj. Im Dezember 2001, als er mit Verwandten und Freunden im Urlaub war, hob er ein leuchtendes, gelbes Objekt vom Boden auf. Es war eine US-Submunition. Sie explodierte und riss dabei seine beiden Beine und einen seiner Finger ab. Er war zehn Jahre alt.
Mir wurde klar, dass unsere Geschichten miteinander verknüpft sind. Travis starb, damit ein irakischer Bauer oder dessen Sohn nicht das Gleiche erleiden müssen wie Soraj.

Unter den mehr als 100 Regierungen, die sich in Oslo versammeln werden, befinden sich fast all unsere durch die NATO verbündeten Staaten, inklusive Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Diese Länder kämpfen Seite an Seite mit den Vereinigten Staaten in Afghanistan und haben sich dennoch entschieden, dass sie ihre Truppen ohne diese Waffen beschützen können, die sowohl während als auch lange nach dem Krieg eine erschreckende und vermeidbare Bedrohung für die Bevölkerung darstellen.

Dieser Vertrag wird Soraj nicht seine Beine zurückgeben und er wird mir nicht meinen Sohn zurückbringen. Aber er wird das Leben und die Gliedmaßen anderer Zivilisten schützen – und die US-Soldaten."


Lynn Bradach lebt in Portland, Oregon

Stand: 12/2008

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