„Jeder Moment, in dem wir Land zurück an die Bevölkerung geben können, ist ein Moment großer Freude"

Programmdirektorin im Libanon

Camille Aubourg © Handicap International

Interview mit Camille Aubourg, Programmdirektorin

 

Was genau macht Handicap International im Libanon?

Handicap International ist seit 1992 im Libanon tätig. Der bewaffneten Konflikt im Jahr 2006 hat uns dazu veranlasst seit 2007 im Süden des Landes humanitäre Kampfmittelräumung durchzuführen, die insbesondere den Blindgängern aus Streubomben galt. Dasselbe tun wir seit 2010 in einem palästinensischen Flüchtlingscamp im Norden, wo es vor allem um Landminen geht. Handicap International ist im Moment die einzige NGO, die im Nordlibanon Entminungsaktionen unterhält. Mit Sitz in der Region Batroun besteht unser Programm aus zwei Entminungsteams und einem Team zur administrativen und logistischen Unterstützung. Ende 2010 hat Handicap International ein Duzend libanesische Entminer ausgebildet und ausgerüstet. Diese sind jetzt seit Januar 2011 einsatzbereit. Zurzeit sind sie in einer Gegend aktiv, in der es viele Olivenhaine gibt. Die ansässige Bevölkerung hofft sehr stark darauf, dass das Land bald geräumt ist, damit sie wieder Oliven ernten und Olivenöl verkaufen können.  

Wie laufen die Entminungsaktionen genau ab?  

Die Entminer starten um 5.30 Uhr mit einem Sicherheitscheck durch den Projektleiter in den Tag. Auch zwei Krankenschwestern, die im Falle eines Unfalls eingreifen können, sind Teil des Teams. Um 6 Uhr sind die Teams bereits vor Ort, mit voller Ausrüstung und bereit zu entminen! Die Entminer arbeiten manuell mit Metalldetektoren. Wir können keine Maschinen oder andere Hilfsmittel benutzen, da das Gelände dafür zu steil und die Vegetation zu dicht für Minensuchhunde ist. Zurzeit räumen unsere 12 Entminer 3.000 – 4.000 m² kontaminiertes Land jeden Monat. Das ist eine beachtliche Rate, wenn man die Hitze zu dieser Jahreszeit, die Dichte der Vegetation und die Unwegsamkeit des Geländes in Betracht zieht. Es bedarf manchmal tagelanger Vorbereitungsarbeiten bis ein betroffener Bereich geräumt werden kann. In dieser Region treffen wir auf Minen, die während des Bürgerkriegs (1975-1990) eingesetzt wurden, das bedeutet, dass einige Gebiete in denen wir arbeiten mehr als 30 Jahre lang gefährdet und unzugänglich waren!  

Was wurde bereits mit diesen Aktivitäten erreicht?  

Bis heute haben 2.420 Menschen direkt von unseren Aktionen profitiert. Wir haben bereits sechs Gebiete räumen können und konnten diese der ansässigen Bevölkerung zurückgeben. Jeder Moment, in dem wir Land zurück an die Bevölkerung geben können, ist ein Moment großer Freude für unsere Teams und die dort lebenden Menschen. Insgesamt wurden bisher 15 gefährliche explosive Überreste (unter anderem Anti-Personen-Minen und Anti-Fahrzeug-Minen) entfernt und zerstört. Die lokale Bevölkerung unterstützt unsere Arbeit und sieht sie als dringend notwendig an. Die humanitären Entminungsaktionen von Handicap International machen es möglich neue sozio-ökonomische Maßnahmen durchzuführen, die den Menschen der Region zugutekommen. Die kürzlich stattgefundene Entminung betroffener Gebiete hat den Wiederaufbau der Infrastruktur und Rehabilitationsarbeiten, wie z.B. Straßenverbreiterungen, Brückenreparaturen und Verbesserung der lokalen Energieversorgung möglich gemacht. Unser Ansporn ist es bei der Erfüllung des von der libanesischen Regierung gesetzten Ziels, das Land bis 2015 vollständig von explosiven Überresten zu befreien, mitwirken zu können.  

Interview vom 9. September 2011

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