Hintergrundinformationen zu den Aktivitäten von Handicap International

Handicap International ist seit 1992 im Libanon tätig. Dabei unterstützt die Organisation unter anderem lokale Vereine, die im Bereich Rehabilitation und psycho-soziale Betreuung tätig sind und ist im Bereich der humanitären Minenaktionsprogramme tätig.

Minenaktionsprogramme

Millimeter für Millimeter muss sich der Entminer vorarbeiten, um jedes Risiko auszuschließen © Stuart Freedman / Handicap International

Millimeter für Millimeter muss sich der Entminer vorarbeiten, um jedes Risiko auszuschließen © Stuart Freedman / Handicap International

Von 2007 bis 2009: Aktionen zur Räumung der explosiven Überresten des Krieges (vor allem von Streubomben) in der Region Tyr, im Südlibanon.

Von 2008 bis 2010: Aktionen zur Räumung der explosiven Überreste des Krieges im palästinensischen Flüchtlingscamp Nach El Bared.  

Von Mai bis September 2007 war das Nahr el Bared Flüchtlingscamp im Nordlibanon (NBC) der Schauplatz für eine schwere Auseinandersetzung zwischen der libanesischen Armee und einer Gruppe militanter Kämpfer. Am Ende des Konflikts war das offizielle Camp Nahr el Bared fast vollständig zerstört und die Umgebung des Camps erlitt ernsthaften Schaden. Die Häuser, Kliniken, Schulen, Geschäfte, Moscheen, Trinkwasserversorgung und Sanitäranlagen waren vollkommen vernichtet. Während des dreimonatigen Konflikts war das Camp Nahr el Bared unter heftigen und permanenten Beschuss gekommen (durch Artillerie und Luftangriffe). Große Mengen an nicht explodierten Kriegsresten wurden in den Ruinen verteilt und über 27.000 Menschen waren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen.  

Handicap International wurde von der UNRWA (UN Abteilung zuständig für die Räumung des Schutts und den Wiederaufbau des Camps) damit beauftragt, das Gebiet bis zum Oktober 2008 zu entminen. Die Beseitigung aller explosiver Überresten ist eine Grundvoraussetzung, um die Infrastruktur wiederaufbauen zu können und die gefahrlose Rückkehr der palästinensischen Bevölkerung sicherzustellen. 18 Monate lang arbeiteten vier der libanesischen Entminungsteams von Handicap International und ein Minenaufklärungsteam mit einem mit der Räumung des Schutts beauftragten Unternehmen zusammen. Schätzungen zufolge wurden 500.000 m² Schutt weggeräumt. Dieses Projekt war besonders kompliziert, da die Arbeit in einem sehr schwierigen Gelände stattfand und Reste von während und nach den Kämpfen zerstörten Gebäuden durchkämmt werden mussten. Der Schutt war gemischt mit Stahl, Glas, Holz, elektronischen Geräten und den persönlichen Besitztümern der ehemaligen Bewohner. In Übereinstimmung mit üblichen Vorgehensweisen, haben die Räumungskräfte von Handicap International systematisch eine Sichtung des Schutts vorgenommen, indem er in 10 cm dicken Schichten ausgelegt wurde, bevor er schließlich entsorgt werden konnte. Der gesamte Schutt wurde insgesamt zweimal vollständig durchsucht bevor die Zone verlassen durfte.  

Während des Projekts wurden insgesamt 12.506 explosive Überreste (darunter auch 72 Sprengfallen) durch das Team von Handicap International neutralisiert. Das Programm wurde letztendlich im März 2010 beendet.  

Seit Ende 2010 ist Handicap International die einzige Organisation, die humanitäre Entminungsaktionen im Nordlibanon durchführt. Das humanitäre Entminungsprojekt wird von zwei manuellen Entminungsteams durchgeführt. Seit Januar 2011 haben die Entminungsteams von Handicap International ca. 12.000 m² kontaminiertes Land im Nordlibanon geräumt und 12 gefährliche Gegenstände in Zusammenarbeit mit dem libanesischen Mine Action Center (LMAC) zerstört. Die von Handicap International ausgeführten humanitären Entminungsaktivitäten tragen dazu bei, die sozio-ökonomische Struktur wieder aufzubauen. Dies kommt den Einwohnern der Region zugute. Die aktuellen Aktionen zur Räumung der betroffenen Gebiete haben den Beginn des Wiederaufbaus der Infrastruktur und Rehabilitationsmaßnahmen ermöglicht, wie z.B. Straßenverbreiterung, Brückenreparaturen und Verbesserung des lokalen Elektrizitätsnetzwerkes.

Psychosoziale Unterstützung für Menschen mit Behinderung

Rusha Zayoun, 17, seit einem Streubombenunfall geht sie nicht mehr zur Schule und ist sehr schüchtern geworden. Maarakeh, Südlibanon.

Rusha Zayoun, 17, seit einem Streubombenunfall geht sie nicht mehr zur Schule und ist sehr schüchtern geworden. Maarakeh, Südlibanon.© Stuart Freedman / Handicap International

Seit Januar 2004 arbeitet Handicap International zusammen mit einem Netzwerk aus verschiedenen Partnern, um in den palästinensischen Flüchtlingscamps im Libanon den Zugang zu psychosozialer Betreuung zu verbessern. Partner sind dabei lokale NGOs, Sozialarbeiter und Fachleute der UNRWA.  

Von 2007 bis 2011 hatten unsere Projekte überwiegend den Schwerpunkt: palästinensische Flüchtlingskinder mit psychosozialen Problemen. Ende 2009 haben fast 850 Kinder und Jugendliche von den sozialen und ausbildungstechnischen Aktivitäten von Handicap International sowie von der psychosozialen Unterstützung in den Gemeindezentren profitiert. Weiterhin haben 80 Fachleute, die im Bereich der psychosozialen Betreuung gearbeitet haben, Beratung und Training erhalten, um ihren Blick für psychologische Funktionsstörungen zu schärfen.   

2009 konnten wir mit der finanziellen Unterstützung der Europäischen Kommission in 8 palästinensischen Flüchtlingscamps im Libanon Projekte zur Verbesserung der Rehabilitation und der psychologischen Betreuung einrichten. Dieses Projekt hat eine größere Zielgruppe im Visier: Nach einem Jahr konnte 622 Menschen mit Behinderung der Zugang zu Rehabilitation und psychologischer Betreuung ermöglicht werden; 872 Fachleute von NGOs, die im Bereich Behinderung und psychologischer Betreuung tätig sind, haben Trainingseinheiten absolviert; und 1.133 Kinder mit psychologischen Störungen konnte der Zugang zu Behandlungen ermöglicht werden.  

Im Anschluss an frühere Projekte hat Handicap International  im Jahr 2010 ein neues Projekt zur Förderung des Zugangs zu psychologischer Rehabilitation für Kinder mit psychologischen Störungen aus palästinensischen Flüchtlingscamps, dem Nordlibanon und der Region Tyr begonnen. Am Ende des Projekts konnte eine Steigerung der Autonomie der Kinder, die psychologische Betreuung erhalten haben, festgestellt werden (insgesamt 325 Kinder). Außerdem konnten die Fachleute dank des Trainings und der Schulung von erfolgreichen Methoden zum Umgang mit psychologischen Störungen qualitativ hochwertige Betreuung anbieten und die Produktivität ihrer Rehabilitationsmaßnahmen steigern. Die Zahl aller durch die Betreuung, Training und Aufklärung Begünstigten betrug am Ende 2.300 Menschen, von denen 60,6% Kinder waren und 55,6% Frauen.  

Im Jahr 2011 unterstützt die Europäische Kommission, angesichts des Ausmaßes der benötigten Maßnahmen an Rehabilitation und psychologischer Unterstützung, weiterhin unsere Projekte für die palästinensische Bevölkerung im Libanon. Unsere Maßnahmen zielen darauf ab, die seit dem Start unserer Aktivitäten erreichten positiven Auswirkungen im Bereich der psychologischen Betreuung weiter auszubauen.

In letzter Zeit hat Handicap International im Libanon zusammengearbeitet mit: 

 

  • Family Guidance Centre, die erste lokale NGO, die in palästinensischen Flüchtlingscamps und in Gebieten im Libanon psychosoziale Betreuung angeboten hat (vor allem in den Camps Bedawi, al Buss und Burj)  
  • Community Based Rehabilitation Association (CBRA), der wichtigste Dienstleister für Menschen mit Behinderung in den Camps Bedawi und Nahr el-Bared. Die Kooperation ist Teil einer Reihe von psychologischen Unterstützungsprojekten für palästinensische Kinder mit psychologischen Problemen.  
  • Women Humanitarian Organization (WHO), verantwortlich für den Zugang zu psycho-sozialen Rehabilitationsmaßnahmen für Kinder in palästinensischen Flüchtlingscamps im Nordlibanon und der Region Tyr (2010).  
  • United Nations Relief and Works Agency (UNRWA), ein wichtiger Partner, der im Libanon im Bereich Gesundheit und Rehabilitation sehr aktiv ist. Mit dieser Organisation führt Handicap International psycho-soziale Projekte durch.  
  • Arc-en-Ciel, eine Organisation, mit der Handicap International in Bekaa zusammengearbeitet hat, um dort die Rehabilitationsmaßnahmen für Menschen mit Behinderung zu verbessern (2004-2006).  
  • The Ghassan Kanafani Cultural Foundation (GKCF), ein Kindergarten im Camp Mar Elias: Dieser nimmt Kinder mit verschiedenen Behinderungen auf und stellt ihre medizinische Versorgung und schulische Ausbildung sicher.  
  • Die Organisation Najdeh: Einkommen schaffende Aktivitäten.  
  • Libanesische Universität: technische und pädagogische Unterstützung, um eine akademische Ausbildung für den Bereich Ergotherapie einzurichten.  
  • Sesobel: Ausbildung in den grundlegenden Techniken der Ergotherapie für Physiotherapeuten und der ergotherapeutischen Abteilung des Zentrums.  
  • The Lebanese Occupational Therapist Association.

 

Dank dem Partnernetzwerk, mit dem die Organisation fast drei Jahre lang in palästinensischen Camps zusammengearbeitet hat, konnte Handicap International auch nach der Krise im Jahr 2006 tätig sein. Die libanesische Support Coordination Platform, die nach dem Konflikt im Sommer 2006 zusammen mit libanesischen NGOs eingerichtet wurde, hat ein Team in Beddawi eingesetzt mit Ziel, dort die humanitären Hilfsleistungen zu optimieren. Dies soll geschehen, indem die effektive Verteilung von Hilfsgütern garantiert wird und die Koordination aller in die Krise involvierten Interessengruppen gesichert wird.    

Einige der wichtigsten Partnerschaften und Aktivitäten, die während und nach dem Krieg 2006 begonnen wurden:  

 

  • Die Rehabilitationseinheit im Krankenhaus Nabatiye: Versorgung einer Vielzahl derer, die während dem Konflikt im Jahr 2006 verletzt wurden.  
  • Libanesische Union für alle Menschen mit physikalischer Behinderung (LUPD): Hilfe für alle Menschen mit Behinderung, die während des Konflikts 2006 verletzt wurden.  
  • Samidoun: zuständig für 31 Aufnahmezentren in Schulen, Kirchen und Moscheen in Beirut, in denen insgesamt 12.000 vertriebene Menschen untergebracht sind. Außerdem fallen die Gebiete in denen Handicap International seine Aktivitäten zur psychologischen Betreuung vornimmt unter den Zuständigkeitsbereich. 
  • Das libanesische Ministerium für Soziale Dienste: arbeitet mit Handicap International und anderen internationalen Organisationen zusammen, um die nach dem Konflikt erforderliche Unterstützung zu koordinieren.  

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