Internationaler Tag zur Aufklärung über Minengefahren und Opferhilfe

Ein Minenräumer in blauer Schutzkleidung kniet vor einer Mine, um sie zu entschärfen

Ein Minenräumer in Bosnien © Handicap International

Anlässlich des internationalen Tages zur Aufklärung über Minengefahren und Opferhilfe am 4. April 2009 warnt das Aktionsbündnis Landmine.de die internationale Staatengemeinschaft davor, vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise die Hilfe für Opfer von explosiven Kriegshinterlassenschaften zu vernachlässigen.

Es wird befürchtet, dass jetzt ausgerechnet Minenaktionsprogramme den milliardenschweren Rettungsaktionen für bankrotte Banken und Konzerne zum Opfer fallen könnten. Gerade in den Ländern Afrikas, die zu den Verlierern der Weltwirtschaftkrise zählen und die vom Minenproblem am meisten betroffen sind, dürfen aber Kriegsopfer nicht doppelt bestraft werden, indem jetzt Minenaktionsprogramme reduziert oder gar gestrichen werden.

Wie dringend notwendig die Hilfsprogramme nach wie vor sind, zeigt das Beispiel Afghanistan, wo in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 über 42.000 Antipersonenminen, 500 Antifahrzeugminen und 1.5 Mio. Blindgänger geräumt wurden, was das Land für hunderte Kommunen wieder nutzbar machte. Minenaufklärungsprogramme, die für die besonders gefährdeten Kinder überlebensnotwendig sind, erreichten in diesem Zeitraum laut UNO über 800.000 Afghanen.  

Wichtig ist eine Neuorientierung der humanitären Hilfe in Form von umfassenden Konzepten für Wiederaufbau und nachhaltige Entwicklung. Es reicht nicht aus, lediglich einige technische "inputs" wie Minenräumung und Prothesenanpassung bereitzustellen. Es muss auch auf physische und psychische Verwundungen und soziale Erschütterungen angemessen reagiert werden. Neben der Räumung explosiver Kampfmittel und der Opferhilfe müssen umfassendere Bemühungen um Rehabilitation in und von Nachkriegsgesellschaften angestrebt werden. Das Aktionsbündnis Landmine hat hierzu Leitlinien erarbeitet, die sog. Bad Honnef-Richtlinien, die Grundlage für Minenaktionsprogramme werden sollen.  

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon betonte in einer Botschaft zum Internationalen Tag für die Aufklärung über Minengefahr, dass Minenaktionsprogramme über das bloße Entfernen von Minen hinaus für eine gefahrlose Umwelt für Zivilisten sorgen. Durch diese Programme werden lokale Kapazitäten wieder hergestellt, und durch Reintegrationsprogramme und die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten wird die Würde von Überlebenden gesichert.  

Derzeit sind ca. 500.000 Überlebende von Minenunfällen auf Hilfe angewiesen, was in einer Vielzahl der betroffenen Länder nur unzureichend geschieht. Die Tatsache, dass Vertragsstaaten wie die Türkei und Griechenland das Minenverbot nicht respektieren, ist für die Minenräumung alles andere als hilfreich. Griechenland, Weißrussland und die Türkei z.B. haben ihre 4-Jahres-Frist zur Zerstörung vorhandener Lagerbestände zum 1.3.2008 nicht eingehalten. Der Nato-Staat Türkei lagert u.a. nach wie vor fast 1,5 Millionen deutsche Anti-Personenminen und setzt diese auch ein, so z.B. an der Grenze zu Syrien, wo immer noch riesige Minenfelder existieren.

 

Stand: 04/2008

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