Vier Wahrheiten

Foto der 16-jährigen Mila Brill

Mila Brill, die ebenfalls den dritten Platz belegt hat

Über das Leiden der Laoten

Von Mila Brill  

Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
Dies ist die erste der Vier Edlen Wahrheiten, die Buddha schon vor über 2000 Jahren erkannte und die noch heute für Millionen von Menschen die Grundlage ihres Lebens und ihrer Kultur bilden. Auch ein Großteil der Bevölkerung von Laos, einem Staat in Südostasien, ist buddhistisch. Hier stößt man zwischen tosenden Wasserfällen und Bergketten auf riesige Buddha-Statuen,  beeindruckende Tempel scheinen den weiten Himmel zu berühren. Nur wenige Touristen verirren sich in dieses schöne, nahezu unberührte Land.

Doch das Leben in Laos ist nicht einfach, es herrschen Armut und Malaria und statt in die Schule zu gehen, müssen viele Kinder schon früh bei der Arbeit helfen. Sie hüten Rinder, bauen Mais oder Kartoffeln an; nicht selten sind Not und Verzweiflung der Eltern sogar so groß, dass sie ihre Kinder an Menschenhändler verkaufen müssen. Gerade für die Landbevölkerung und die Kinder hat die erste Weisheit ihres Glaubens so eine ganz besondere Bedeutung.  

Immer wieder werden vor allem Kinder außerdem Opfer eines weiteren, schrecklichen Problems: Während des Vietnamkriegs bombardierte die amerikanische Armee das eigentlich kaum beteiligte Land schlimmer als jedes andere; neun Jahre lang fielen die Bomben fast alle acht Minuten. Bei den 580000 Angriffen wurden vor allem Streubomben eingesetzt, von denen jedoch 30% nicht explodierten. So sind heute noch 80% des landwirtschaftlich genutzten Gebiets durch Millionen von Blindgängern gefährdet.

Fast wöchentlich gibt es neue Opfer des lange vergangenen Krieges. Die kleinen, ungefährlich wirkenden Munitionen machen viele Kinder neugierig und explodieren plötzlich beim Spielen; nicht selten sterben die Kinder sofort an der unerwarteten Explosion, aber auch schreckliche Verstümmelungen, die ein selbstständiges Leben unmöglich machen, sind häufig Folgen der vergessenen Bomben. Diese Nachrichten werden in der westlichen Welt jedoch kaum wahrgenommen, den Laoten fehlt die Kraft zu lauteren Rufen.
Die USA, die eigentlich die Schuld an dem Problem tragen, fühlen sich nicht dafür verantwortlich, die Blindgänger zu entfernen. So scheint sich auch die zweite Wahrheit Buddhas auf die Problematik des Landes zu beziehen: Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.  

Organisationen wie UXO Lao, die die Bevölkerung aufklärt, Blindgänger entschärft und nebenbei auch noch zu den größten Arbeitgebern des Landes gehört, stehen zumeist ohne westliche Unterstützung, insbesondere der schuldigen USA, ganz alleine da. Seit 1996 arbeitet diese Organisation in Laos und hat über 380 Bomben entschärft, was allerdings nur knapp 0,2% der Blindgänger darstellt.
Aber auch den Opfern, die durch Verletzungen oft ihre sowieso schon geringe Hoffnung auf ein glückliches Leben vollständig verlieren, muss geholfen werden. Dies hat sich unter anderem Handicap International zur Aufgabe gemacht und versucht, sich für die Rechte der Opfer einzusetzen und ihnen zu helfen. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden, heißt schließlich die dritte Edle Wahrheit.  

Einige Schritte in die richtige Richtung sind bereits gemacht. Das Abkommen gegen Streubomben, das bei einer internationalen Konferenz in Oslo erreicht wurde, soll am 1. August in Kraft treten. Zwar haben viele Staaten, darunter auch die USA, nicht unterzeichnet, aber es ist nun einmal ein langer und beschwerlicher Weg, der gegangen werden muss. Die vierte und letzte Wahrheit des Buddhismus beschreibt ihn:  

Zum Erlöschen des Leidens führt der Weg der Weisheit, Sittlichkeit und Vertiefung.

Begründung der Jury

3. Platz: Mila Brill „Vier Wahrheiten“

Eva Maria Fischer, Handicap International:

"Die Autorin wählt einen sehr originellen Ansatz, den sie konsequent in ihrem Text fortführt: Ausgehend davon, dass die Mehrheit der laotischen Bevölkerung dem Buddhismus angehört, stellt sie die vier edlen Wahrheiten Buddhas in Bezug zum Leiden der Laoten an den Folgen des Krieges. Der Rahmen ermöglicht die Schilderung einiger interessanter Informationen über das Land und aller relevanten Fakten zum Thema Streubomben.

Allerdings verhindert der eher abstrakte Ansatz eine emotionalere Erzählung eines persönlichen Schicksals. Dennoch ein rundes, anschauliches Konzept, das Lust zum Lesen macht!"

 

Stand: 06/2010

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