
Eine Gruppe von Minenopfern beim Musizieren © Deborah Schad
Der Text, den Deborah Schad für unseren journalistischen Wettbewerb zu Laos und Streubomben geschrieben hat, greift nur einen bestimmten Einblick in das Thema auf, aber auf eine so besondere Art, dass wir ihn hier veröffentlichen möchten.
Laos, Silvester 2008. Ich stehe im T-Shirt in der Straße und feiere mit Menschen aus aller Welt in das neue Jahr. Neben zahlreichen Touristen mischen sich auch Laoten unter die Feiernden. Es ist eine gelassene und freundliche Atmosphäre. Rechts und links der Straße entlang sind Restaurants, welche ein schönes, helles, doch manchmal auch grelles Licht auf die Straße werfen. Am anderen Ende der Straße steht ein DJ, welcher die neusten Tracks des Jahres spielt. Touristen wie auch Laoten tanzen.
Nicht weit von mir entfernt spielt eine Musikgruppe. Es sind sieben Minenopfer. Sie sitzen jeden Tag dort, doch bekommen sie selten Beachtung von den an ihnen vorbeilaufenden Menschen. Sie gehören traurigerweise zum Straßenbild. Es scheint, also ob sie durchsichtig sind. Fast jeder wendet den Blick ab, wenn er sie ansieht, denn das Bild welches sie abgeben, ist erschreckend. Dem einen fehlt ein Bein, der andere hat nur noch einen Arm. Wieder ein anderer sieht nichts mehr, beide Augen wurden im zugenäht. Doch spielen sie beharrlich jeden Tag an derselben Stelle ihre Lieder. Was sollen sie auch sonst tun, niemand beachtet sie und kann etwas mit ihnen anfangen. Nur wenige legen ihnen Geld in die Schale.
Es ist 23.40 Uhr: Stromausfall. Die Lichter der Straße und der Restaurants gehen aus. Es ist schlagartig ruhig, da die Musik des DJ´s nicht mehr abgespielt werden kann. Was tun? Alle schauen sich ratlos um. Kerzen werden in den Restaurants angezündet. Es herrscht eine verzauberte Stimmung. Die einzigen Klänge, die man nun hört, sind die der Minenopfergruppe. Nach wenigen Minuten fangen die ersten an, sich auf den Rhythmus und die Musik der Minenopfer zu bewegen. In kürzester Zeit tanzen alle zu ihren Rhythmen. Die Minenopfer stehen plötzlich im Mittelpunkt des Geschehens. Jeder beachtet sie. Alle sehen glücklich aus, Musiker wie Menschen. Die Stimmung wird immer feuriger. Die Musiker sind in ihrem Element. Von Minute zu Minute steigern sie sich.
23.55 Uhr: Der Strom ist wieder da. Die Musik des DJ´s pulsiert wieder durch die Straße, übertönt die Gruppe der Minenopfer. Schon ist die Gruppe der Mienenopfermusikanten am Straßenrand vergessen. Ihr Traum von Aufmerksamkeit scheint mit dem Anschalten des Stroms auszugehen.
Stand: 07/2010
