Viele Menschen in Laos sind auf den Handel mit Altmetall als Lebensgrundlage angewiesen – dies ist allerdings nicht ungefährlich. Das Altmetall, das überall in Laos zu finden ist, ist Kriegsschrott aus dem Vietnamkrieg. Die US-Streitkräfte haben zwischen 1964 und 1973 insgesamt mindestens zwei Millionen Tonnen Bomben über Laos abgeworfen.
Der Südosten des Landes rund um Sepon und Nong gehört durch die Nähe zum Ho Chi Minh-Pfad zu den am schwersten bombardierten Gebieten. Allein aus der Bombardierung mit 260 Millionen Submunitionen aus Streubomben bleibt bis heute eine unglaubliche Altlast: Rund 80 Millionen dieser Sprengköper sind nicht explodiert und bedeuteten bis heute eine permanente Gefahr für die Menschen. Vor allem für jene, die auf den Verkauf des explosiven Altmetalls bauen, um ihrer Familie ein Auskommen zu bieten. Immer wieder kommt es dabei zu tragischen Unfällen.

Zwei Jungen sammeln Altmetall. Für 6 kg Metall bekommen sie 1 kg Reis. © T. Wagner/Handicap International
Handicap International arbeitet seit vielen Jahren in Laos und kümmert sich um die Opfer explosiver Kriegsreste. Unsere Mitarbeiter haben zu oft hautnah miterleben müssen, wenn durch einen Unfall von einer Minute auf die nächste die Existenz einer ganzen Familie auf dem Spiel steht, weil die aufwändige Behandlung eines Angehörigen finanziert werden muss, weil plötzlich der Ernährer fehlt oder weil Opfer und Familie massiv traumatisiert sind.

Für die Familien ist die Ernte eine neue Einkommensquelle © Handicap International
Um den Menschen eine Alternative zum gefährlichen Altmetallsammeln anzubieten, wurde von Handicap International und UNICEF das „Household Garden“-Projekt ins Leben gerufen: Für die Pilotphase des Projekts wurden in neun Dörfern rund um Sepon und Nong 30 Familien nach bestimmten Kriterien ausgewählt: Haben die Menschen eine Behinderung – möglicherweise sogar durch einen Streubombenunfall – und dadurch Schwierigkeiten, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen? Sind es besonders kinderreiche Familien? Haben die Familien Land und ausreichenden Zugang zu Bewässerung? Und nicht zuletzt: Sind die Eltern bereit, ihren Kindern eine Alternative zum Altmetallsammeln zu bieten? In den 30 ausgewählten Familien sind 12 % der Menschen Opfer von nicht explodierter Munition. Und alle Familien haben zuvor Altmetall gesammelt und verkauft.
Bevor die Familien ihren „Household Garden“ bekommen, wird der zukünftige Garten durch ein Expertenteam nach Streubomben und anderen Kriegsresten abgesucht. Die Familien erhalten zusätzlich eine Risikoaufklärung, die vor allem auf die zukünftige Arbeit im Garten ausgerichtet ist. Die Teilnehmer können aus 14 verschiedenen Obst- und Gemüsesorten auswählen, die sie in ihrem Garten anpflanzen wollen. Darunter auch vitaminreiche Sorten wie z.B. Tomaten, die zuvor in der Gegend nicht heimisch waren und nicht zum Speiseplan gehörten. Durch ihre Einführung soll die Nährstoffversorgung der Menschen verbessert und einseitiger Ernährung vorgebeugt werden.

Auch Zucchini wachsen im laotischen Klima gut © Handicap International
Mitarbeiter zeigen den Familien, wie man aus einfachen Zutaten wie Seife und Öl Insektizide herstellt und wie man Gartenabfälle kompostiert. Dann wird gepflanzt – natürlich nicht alles auf einmal, um eine andauernde Versorgung mit den neuen Nahrungsmitteln sicher zu stellen. Parallel findet im Dorf eine Ernährungsberatung statt, die die Menschen darüber aufklärt, wie wichtig eine gute und abwechslungsreiche Nahrungsversorgung ist. Auch die Kinder werden in die Aktivitäten einbezogen, um ihnen die neuen Lebensmittel schmackhaft zu machen. Für sie finden kleine Kochkurse statt, um sie spielerisch an ungewohnte Geschmacksrichtungen heranzuführen.
Im ersten Jahr des Projekts wurde im Herbst, nachdem die Gärten abgeerntet waren und die Trockenzeit nahte, Bilanz gezogen. Alle 30 Familien gaben an, mit dem Angebot der „Household Gardens“ sehr zufrieden zu sein. Sie alle konnten außerdem ihren kompletten Eigenbedarf an Obst, Gemüse und Kräutern über ihren Garten decken – ein Drittel konnte zudem noch einen Teil der Ware auf dem Markt verkaufen. Jede Familie erwirtschaftet mit dem Garten einen Gegenwert von 600.000 Kip – rund 60 Euro – pro Jahr.
Dieser Erfolg ermutigt uns, dieses Projekt im kommenden Jahr auf sechs neue Dörfer und 30 weitere Familien rund um Sepon und Nong auszudehnen.
